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MARTIN-LUTHER-GEMEINDE

DARMSTADT

Zur Bedeutung des Abendmahls

Predigt in 4 Teilen am 25. Februar 2018 in der Martinskirche

Das Abendmahl als Erinnerungsmahl
Für mich ist das Abendmahl ganz besonders mit dem Aspekt der Erinnerung verbunden: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis“ oder „Das tut zur Erinnerung an mich“.- so hören wir es in der Abendmahlsliturgie. Erinnern ist also unsere Aufgabe. Erinnern an die gemeinsamen Mahlzeiten, die Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gefeiert hat. Und natürlich an das letzte Mahl am Vorabend von seinem Tod. Die Evangelien erzählen von jenem Abschiedsmahl am Passahfest. In der jüdischen Tradition, in der Jesus steht, darf das jüngste Kind am Tisch die Frage stellen: Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte? Mit dem Segen über Brot und Wein wird in jüdischen Familien am Freitagabend der Schabbat geheiligt und vom Alltag unterschieden. Gemeinsam erinnern sich alle am Tisch an die Geschichte vom Auszug aus der Versklavung in Ägypten und vom Aufbruch in ein von Gott befreites Leben. Mit einem Essen wird die Befreiungsgeschichte gefeiert. Zur Erinnerung wird ungesäuertes Brot gegessen, deshalb feiern auch heute wir das Abendmahl mit Mazzen, dem ungesäuerten Brot.
So erinnern wir uns im Abendmahl nicht nur an Jesus sondern auch an unsere jüdischen Wurzeln.
Wir sind eingewoben in die ganze Geschichte Jesu: in sein Leben, sein Wirken, sein Sterben und in die Neuschöpfung von Ostern. Nichts davon darf gestrichen werden. Nur dann ist es eine Erinnerung, die lebendig macht. Nichts muss so bleiben, wie es ist, auch wir nicht. Dann ist das Abendmahl immer wieder die große Einladung zum Leben, zu einem trotz-alledem und ich möchte es feiern voller Lebenslust auf das, was alles sein kann und noch nicht ist.
Wie sehen Sie das? Was bedeutet der Aspekt der Erinnerung für Sie?

Marion Lutzer


Das Abendmahl stiftet Gemeinschaft
Beim Abendmahl ist mir die Gemeinschaft ganz wichtig – die Gemeinschaft mit den anderen Mitfeiernden und mit Gott.
Gott ist der Gastgeber des Abendmahls. Und Jesus hat das Abendmahl eingesetzt hat und gestiftet. Er ist während der Feier symbolisch gegenwärtig in Brot und Traubensaft und so haben wir mit ihm Gemeinschaft.
Durch die heilige Geistkraft bekommt das Essen des Brotes und das Trinken des Saftes eine besondere Bedeutung. Wir nehmen nicht einfach die Lebensmittel ein als körperliche Stärkung sondern auch unsere Seele werden gestärkt mit Kraft und Zuversicht.
Zugleich stehe ich nicht alleine im Kreis im Altarraum. Um mich herum stehen weitere Menschen aus der Gemeinde. Wir kommen an Gottes Tisch zusammen und empfangen Brot und Saft gemeinsam.
Im 13. Kapitel des Lukas-Evangeliums wird in Vers 29 eine Prophezeiung Jesu über das Versammeln an Gottes Tisch überliefert: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.”
An Gottes Tisch treffen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit eigener Lebensgeschichte. Doch Gott trennt uns nicht wegen unsere Unterschiede, wir sind in aller Vielfalt als Gäste an seinem Tisch willkommen. Der heilige Geist verbindet uns als Feiernde zu einer besonderen Gemeinschaft. Dies erlebe ich noch einmal besonders bei den Abendmahlsfeiern beim Kirchentag, wo ich die Mitfeiernden meist nicht kenne und trotzdem schnell eine Verbundenheit entsteht.

Aber es gibt eben leider auch die Erfahrung, dass wir Menschen Unterschiede als Anlass für Trennung und Ausgrenzung nutzen.
Jesus hat zu seinen Lebzeiten gerade mit Menschen gegessen, die in der Gesellschaft nicht angesehen waren und am Rand standen, wie z.B. die Zöllner. Das hat damals für Irritationen bei seinen Zeitgenossen gesorgt, die darüber verärgert waren, dass die Verachteten so eine Wertschätzung von Jesus genossen.
Die Geschichten von Jesus sind lange her und geschahen in einer Zeit mit anderen Wertvorstellungen.
Wie sieht es heute bei uns aus? Wie gehen wir, gehe ich, heute damit um, wenn während des Abendmahls jemand in meiner Nähe steht, der mir körperlich unangenehm ist? Oder wenn ich mich über einen der Mitfeiernden geärgert habe, ich verletzt wurde oder jemand in der Runde selbst verletzt habe?
Hier kann mir hoffentlich Gottes Geist helfen, meine Vorbehalte zu überwinden oder mich einer anderen Person wieder anzunähern. So wird die Gemeinschaft neu erfahrbar.

Zu den traurigen trennenden Erfahrungen gehört für mich aber auch dass wir nicht offiziell zusammen mit katholischen Christen ökumenisch Abendmahl feiern können. Ich hoffe, dass dies eines Tages möglich wird und dass ich es sogar noch mit erleben kann.

Wie sehen Sie das? Was bedeutet der Aspekt der Gemeinschaft beim Abendmahl für Sie?

Sr. Nicole Bieger

Das Abendmahl als Zeichen der Sündenvergebung
Unsere Abendmahlsfeiern sind oft mit dem Gedanken der Sündenvergebung und des Opfertodes Jesu Christi verbunden. Bspw. wenn es in den Einsetzungsworten heißt: „Dies ist mein Leib, für euch gegeben, dies ist der neue Bund in meinem Blut, für euch vergossen.“ Es gibt viel Kritik an der Vorstellung, dass der allmächtige Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus sterben lässt, um uns unsere Sünden vergeben zu können. Ist das nicht sadistisch, wofür braucht Gott solch ein Opfer?
Aber so ist die Rede vom Opfer Jesu im historischen Kontext der Bibel nicht gemeint. Im Hintergrund steht der jüdische Gedanke des Märtyrertums. Märtyrer im Alten Testament sterben in einer Situation der Unterdrückung des Volkes Israel durch fremde Völker. Die Macht der Feinde wird durch die mutige Ausdauer und den Tod der Märtyrer gebrochen. Denn in ihrer Gewaltfreiheit sind Märtyrerinnen und Märtyrer stärker als alle Waffen und Folterwerkzeuge. Ihr Opfer im metaphorischen Sinn macht den Widerstand sichtbar und befreit das Volk von der Macht der Feinde über ihre Herzen und Hoffnungen. Fremde Herrscher können zwar den Leib töten, aber nicht den Glauben an Gott und die Hoffnung zerbrechen.
Der Neue Bund, den Jesus im Becherwort vor Augen hat, ist der alte Bund mit Israel, den Gott auch jetzt einhält, wo das Volk unter der römischen Herrschaft leidet. Er bedeutet, Gott erbarmt sich. „Dieser Becher ist der neue Bund, besiegelt durch mein Blut“ spricht dem leidenden Volk die Verheißung zu, dass Gott den Bund halten werde und diesen Bund im Märtyrertod Jesu wie mit einem Opfer als besiegelt ansieht.
Jesu Tod diente den Herrschaftsinteressen des römischen Reiches, das der Gefahr eines Aufstands vorbeugen wollte. Jesus trat für Arme, Ausgegrenzte und politisch Entrechtete ein und er hatte Zulauf. Deshalb ließ die römische Führung ihn hinrichten. Sein Leben und seine Auferstehung waren Akte des Widerstands, auch nach seinem Tod.

Dass Christi Leib für uns gegeben ist, bedeutet dann, dass Menschen seinen Tod gewollt haben, aber Gott ihnen sein Kind nicht überlassen hat. Der Tod behält den Sieg nicht, weil Gott auf der Seite des Lebens ist, weil Gott Jesus auferweckt hat.
Jesus war ein Märtyrer, kein Opfer. Das Leben des Märtyrers wird zur Gabe für das Leben der Vielen.
Märtyrerinnen und Märtyrer kämpfen mit Ausdauer und gewaltloser Hoffnungskraft. Sich an sie zu erinnern und an die Gerechtigkeit Gottes, für die sie mit ihren Leibern eingestanden haben, ist auch heute noch Quelle der Hoffnung. Gott ist stärker als Gewalt und Unterdrückung, stärker als die Macht der Sünde und des Todes.

Menschen aller Zeiten, auch wir heute, erleben die Macht der Sünde, dessen, was uns von Gott trennt. Aber Gott erbarmt sich. Gott vergibt uns unsere Schuld, unsere Sünde. Gottes Vergebung geht voraus, dass wir unsere Schuld anerkennen und bekennen, was wir im Gottesdienst heute ausführlich getan haben. Sonst tun wir das meist in der Eingangsliturgie im Kyrie-Gebet, das mit dem Gesang „Herr, erbarme dich, Christe erbarme dich, Herr erbarm dich über uns“ endet. Wir gestehen vor Gott, dass wir nicht in Ordnung sind, dass manches – oder vieles – in unserem Leben gegen uns spricht. Wir sprechen aus, was uns auf der Seele liegt und uns anklagt. Darauf folgt ein biblisches Wort als Zusage der Liebe Gottes zu uns.
Im Sündenbekenntnis geht es nicht um ein „sich selbst klein machen“ oder “Niedergemacht-werden“. Das Ziel ist immer das Wort der Lossprechung: Im Auftrag und der Vollmacht Jesu Christi spreche ich dir zu: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Wir Menschen sollen hören: Du wirst nicht mehr auf deine Vergangenheit festgelegt. Du musst nicht mehr glauben, dass das, was gegen dich spricht, auch von Gott gegen dich gewandt wird. Gott spricht dir zu: Du und ich – wir zwei gehören zusammen und nichts kann dich von mir trennen.

Meine persönliche Erfahrung ist: Es gibt Tage, an denen ich das nicht brauche, dass ich diese Worte ausdrücklich höre. Dann reicht es mir, an den Tisch Gottes eingeladen zu sein und zu wissen, in dieser Einladung schenkt Gott sich mir. Aber es gibt auch die anderen Tage, an denen es mir gut tut zu hören: Dir sind deine Sünden vergeben. Dann entlastet es mich, es befreit, ich kann wieder tief durchatmen.
„Dir sind deine Sünden vergeben.“ Ich mag diesen Satz, weil er das Versprechen der Freiheit in sich birgt und Zukunft eröffnet.
Martin Luther sah im Abendmahl den tiefsten Ausdruck der leibgewordenen, sichtbaren Gnade Gottes.
Und wie sehen Sie das?

Tanja Bergelt

Das Abendmahl als Hoffnung auf das Reich Gottes
Wir wollen nun das Abendmahl unter einem weiteren Gesichtspunkt betrachten, nämlich als dem Ausdruck der Hoffnung auf das Reich Gottes. Die Vorstellungen vom Reich Gottes sind unterschiedlich; uns Christen gemeinsam ist, dass der Glaube an ein Reich Gottes an die bedingungslose Liebe geknüpft ist. Es ist kein Ort, sondern ein Zustand, mitten in und unter uns; aber wie Jesus schon selbst sagte: nicht von dieser Welt.
Denn wir Menschen schaffen es einfach nicht, aus eigener Kraft dieses Reich Gottes hier in unserem Leben zu verwirklichen. Wir verstricken uns immer wieder in die Dualität von Gier und Teilen, Gut und Böse, Liebe und Hass. Wir brauchen Gottes Hilfe und Kraft, um an seinem Reich der bedingungslosen Liebe immer wieder aufs Neue mitzuarbeiten.

Wir leben von unserer Sehnsucht und unserer Hoffnung, dass sich Jesus Worte erfüllen werden, die er bei seinem letzten Abendmahl zu uns gesprochen hat. Dazu ist uns überliefert: “ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich“ Und nach dem Mahl verspricht Jesus den Jüngern und Jüngerinnen – und so auch uns, die wir an ihn glauben, so werdet ihr in meinem Königtum an meinem Tisch essen und trinken“. Das ist eine Perspektive - mehr noch - eine Verheißung auf das Reich Gottes, zu dem wir jetzt schon mit jeder Abendmahlsfeier hin leben können.
Die Mahlgemeinschaft geht damit weit über das Einnehmen von Brot und Wein hinaus. Sie erschließt uns einen spirituellen Horizont, der uns am Reich Gottes teilhaben lässt. Denn immer dann, wenn wir diese Liturgie als Erinnerung an das letzte Abendmahl feiern, holen wir das Geschehen von damals wieder in die Gegenwart. Erinnerung ist ja Gegenwart; denn Vergangenheit, Zukunft, Raum und Zeit fallen in diesem Moment zusammen. Dann ist Jesus mitten unter uns und auch wir sind beim „letzten Abendmahl“ dabei. Gottes Reich ist in diesem Moment der Abendmahlsfeier in uns lebendig. Das Abendmahl symbolisiert, dass einmal alle Menschen gemeinsam am Tisch Gottes essen werden. Die Lebenden und die Toten.
Diese Hoffnung auf Gottes Reich kann auch schon unsere Gegenwart verändern. Die Feier des Abendmahls gibt mir zum Beispiel immer wieder Zuversicht, dass dieser neue Bund, von dem Jesus spricht, Bestand hat. Sie gibt mir auch Mut und Kraft, am Reich Gottes mitzuarbeiten.
Oder wie sehen Sie das? Was bedeutet für Sie das Abendmahl als Hoffnung auf das Reich Gottes?

Brigitte Thielen


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